Ein Mann am Ende seiner Kräfte. Eine heftige Krise lässt ihn sowohl physisch, psychisch als auch geistig ermatten, sodass er seinen Beruf aufgeben muss. Auf der intensiven Suche nach Gott, nach dem Sinn des Lebens, geht dieser hoch- intelligente und lebensdurstige Mann nahezu alle Abwege, auf die ein Mensch geraten kann, inklusive wilder Ehe und unehelichem Sohn.
Die Rede ist von Augustus von Hippo, oder auch Kirchenvater Augustinus genannt. Eines Tages sieht dieser Augustinus einen Jungen, der am Meer mit Sand spielt. Der Junge hatte eine Kuhle in den Sand gegraben und füllt in diese nun geduldig Meereswasser hinein, mit Hilfe einer Muschel, die er in seiner Hand hält. Augustinus sieht ihm eine Zeit lang zu, bevor er schließlich zu dem Jungen geht und diesen fragt, was er denn da tue.
Daraufhin der Junge: „Ich versuche das Meer in diese Kuhle zu schöpfen.„, und fährt mit seiner Tätigkeit fort. Aufeinmal spürt Augustinus, die Antwort auf seine Fragen und Suchen gefunden zu haben: Gott ist unermesslich wie das Meer, aber genauso wirklich wie das Meer. Wenn aber der Funken Verstand eines erwachsenen Menschen versucht, Gott ganz und erschöpfend zu erfassen, dann ist man wie ein Junge, der sich übernimmt – der das Meer mit einer Muschel in eine Kuhle füllen will.
Doch die Geschichte macht noch etwas anderes deutlich: Keine Frage, es ist unmöglich, das ganze Meer auszuschöpfen – aber dennoch kann man sich darum bemühen. Genauso wie der Junge, der wie fast jedes Kind gar nicht auf die Unmöglichkeit seines Zieles achtet. Was das Bemühen dann bringt? Der Junge übt Geduld. Und tatsächlich, die Kuhle füllt langsam sich mit Meereswasser. Um im Bild zu bleiben: Er begreift mit jedem Tropfen Meereswasser einen kleinen Teil mehr von Gott, einen kleinen Teil, konkret für sein Leben, für sein gegrabenes Loch, irgendwo im Sandstrand.
Angelehnt an: Lütz, Manfred: Gott, eine kleine Geschichte des Größten, München 2009, 78.